Bücher Anwaltskanzlei Schauder & Oßwald-Blaschke Werne 2

Verkehrsunfall

Was nun?

Falls Sie in einen Verkehrsunfall verwickelt wurden, stellen sich folgende Fragen:
- Welche Ansprüche und Rechte habe ich gegenüber wem?
- Auf welche Art und Weise können diese umfangreich und am effektivsten durchgesetzt werden?
- Sie möchten einen Rechtsanwalt beauftragen. Wer trägt die Rechtsanwaltskosten?

Sie können  sofort nach dem Unfall die gesamte zivilrechtliche Regulierung des Schadens einem Anwalt übertragen.

Wenn ein Unfallverursacher die alleinige Schuld trägt, hat dieser bzw. seine Haftpflichtversicherung die Ihnen entstehenden Rechtsanwaltskosten zu tragen.
Wenn Sie die Alleinschuld trifft, haben Sie Ihre eigenen Rechtsanwaltskosten selber zu tragen.
Wenn beide Unfallparteien Schuld tragen, werden Schuldquoten gebildet und jeder Beteiligte erhält von der gegnerischen Haftpflichtversicherung seinen Schaden damit auch die Kosten der Inanspruchnahme anwaltlicher Hilfe nur in Höhe der zugesprochenen Quote ersetzt.

Hier bieten wir Ihnen die Möglichkeit, mit uns einen Besprechungstermin zu vereinbaren. Nach Erhalt unserer Einschätzung können Sie entscheiden, wie Sie weiter vorgehen möchten.

Was spricht gegen die Inanspruchnahme des „Schadenservices“ der gegnerischen Haftpflichtversicherung?

Eines ist sicher: Der „Schadenpartner“ steht im Lager der gegnerischen Versicherung, nach dem Motto „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!“.  Geschädigte werden oftmals von den Versicherungen abgespeist und setzen ihre Ansprüche nur unvollkommen durch, da es ihnen insbesondere mangels Kenntnis und Erfahrung nicht möglich ist, ihre Ansprüche auf „Augenhöhe“ mit der Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung des Unfallgegners geltend zu machen.
Die Praxis zeigt, dass manche Schadenpositionen von den Haftpflichtversicherern totgeschwiegen und nicht beglichen werden. Andere Schadenpositionen, wie z.B. Nutzungsausfall oder Werkstatt-Stundensätze, werden oft zu Unrecht gekürzt.
Daher raten wir von der Inanspruchnahme der „Schadensservices“ dringend ab, zumal die eintrittpflichtige Versicherung auch die Rechtsanwaltskosten tragen muss.

Steht mir Schmerzensgeld zu? Soll ich sofort zum Arzt?

Jedem, der durch einen Verkehrsunfall durch das Verschulden eines anderen eine schmerzhafte Körperverletzung erlitten hat, steht Schmerzensgeld zu.
Daher sollten Sie selbst als „nur leicht Verletzter“ sofort zum Arzt gehen und sich Ihre Verletzungen attestieren und gegebenenfalls Ihre Arbeitsunfähigkeit bescheinigen lassen.
Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit hat Einfluss auf die Höhe des Schmerzensgeldes.
Ohne sofortigen Arztbesuch und Attest ist es sehr schwierig, den Schmerzensgeldanspruch durchzusetzen.
Bei der Bemessung des Schmerzensgeldes sind Kriterien wie z.B. Art der Verletzung, Art, Dauer und Heftigkeit der Schmerzen, Dauer der Krankschreibung, Umfang und Dauer der notwendigen medizinischen Maßnahmen u.s.w. zu berücksichtigen.
Sollte ich einen Kfz.-Sachverständigen beauftragen?
Sie sollten den Schaden an Ihrem Fahrzeug von einem Gutachter Ihrer Wahl anschauen lassen, um eine faire Bewertung zu erhalten. Es steht Ihnen grundsätzlich frei, einen Sachverständigen Ihrer Wahl zur Beweissicherung und Feststellung des Schadensumfangs, der Wertminderung, des Rest- und Wiederbeschaffungswerts sowie der Reparaturkosten zu beauftragen.
Wenn der Unfallgegner den Unfall verschuldet hat, hat seine Haftpflichtversicherung die Kosten des Gutachters grundsätzlich als Unfallfolgeschaden zu übernehmen.

Hinweis: Überlassen Sie die Auswahl des Sachverständigen nicht der Versicherung! Der Sachverständige, den die Versicherung ausgesucht hat, wird im Zweifel zu einer geringeren Schätzung des Schadens gelangen als ein freier Sachverständige, da er auch künftig für die Versicherung arbeiten möchte, entsprechend wohlwollend zu Gunsten der Versicherung fällt unter Umständen seine Expertise aus.
Wenn sich die voraussichtlichen Reparaturkosten bis ca. 900,00 EUR bewegen, sollten Sie einen Kostenvoranschlag einer Fachwerkstatt einholen und Fotos von der beschädigten Stelle anfertigen, die der Versicherung vorgelegt werden.
Kann ich von der Versicherung das Geld für eine Reparatur verlangen?

Sie haben ein Wahlrecht:

Entweder Sie lassen den Wagen reparieren und bekommen die Kosten erstattet. Oder Sie entscheiden sich für die sogenannte „Abrechnung auf Gutachtenbasis“.
Die Abrechnung auf Gutachtenbasis hat den Vorteil, dass nicht nachgewiesen werden muss, ob bzw. in welchem Umfang das Fahrzeug repariert wurde. Es werden die im Gutachten kalkulierten Nettokosten für die Reparatur in einer Fachwerkstatt in Rechnung gestellt. Was Sie mit dem als Schadensersatz an Sie gezahlten Geld machen, können sie frei bestimmen. Sie sind keineswegs dazu verpflichtet, das Geld tatsächlich für die Reparatur des beschädigten Fahrzeugs auszugeben. Sie können das Geld auch zu jedem beliebigen anderen Zweck verwenden.
Aufgrund des Prognose- und Werkstattrisikos, das Sie tragen, ist die fiktive Abrechnung gefahrträchtig. Lassen Sie das Fahrzeug tatsächlich reparieren und erlangen nachgewiesenermaßen die vollständige und fachgerechte Beseitigung des Unfallschadens, zu einem geringeren als den im Gutachten ausgewiesenen Schadensbetrag, haben Sie keinen Anspruch auf eine weitergehende Zahlung bis zur Höhe des im Gutachten ermittelten Schadensbetrags.
Wann liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor? Wie wird er abgerechnet?
Ein wirtschaftlicher Totalschaden an einem Kraftfahrzeug liegt dann vor, wenn die entsprechenden Reparaturkosten höher sind als der Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs abzüglich Restwert. Bei einer Abrechnung auf Totalschadenbasis haben Sie einen Anspruch auf einen Betrag, der dem Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert Ihres Fahrzeugs entspricht.
Wiederbeschaffungswert ist der Betrag, den Sie aufwenden müssen, um sich ein Fahrzeug von dem Wert zu kaufen, den Ihr Fahrzeug im Unfallzeitpunkt hatte.

An dieser Formel, die von der Rechtsprechung zur Abgrenzung des Reparaturschadens vom Totalschaden entwickelt worden ist, liegt, dass in der Praxis Totalschäden sehr oft auftreten.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel:

Reparaturkosten: 5.000 EUR
Wiederbeschaffungswert: 1.0000 EUR
Restwert: 6.000 EUR

Hier sind die Reparaturkosten also viel niedriger als der Wiederbeschaffungswert. Trotzdem liegt ein Totalschaden vor, da der Betrag der für die Wiederbeschaffung verwendet werden muss, mit 4.000 EUR niedriger ist, als die Reparaturkosten von 5.000 EUR.

Die Fälle von Totalschaden werden in drei Kategorien eingeteilt:

1) Reparaturkosten sind geringer als der Wiederbeschaffungswert
In diesem Fall werden die vollen Reparaturkosten ersetzt, wenn das Fahrzeug im verkehrssicheren und fahrbereiten Zustand über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten weiter genutzt wird.
Vorsicht: Die „Schadenservice“-Abteilung der Versicherung rechnet in vielen Fällen lediglich den Wiederbeschaffungsaufwand, also Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert, ab. In unserem Beispiel wäre die Versicherung bereit 4.000 EUR zu zahlen. Da es sich um einen sogenannten Reparaturfall handelt, muss sie 4.000 EUR zahlen, also 1.000 EUR mehr.

2) Reparaturkosten zwischen 100 und 130 %
Die Versicherung ersetzt die Reparaturkosten, wenn sie nicht mehr als 30% über dem Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs im Zeitpunkt des Unfalls liegen und der Nachweis geführt wird, dass der Schaden vollständig, sach- und fachgerecht und nach den Grundlagen des Sachverständigengutachtens repariert worden ist.

3) Reparaturkosten über 130 %
In diesem Fall wird der Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert ersetzt.

Vorsicht: Hinsichtlich des Restwerts wird die Versicherung es nicht unversucht lassen wird, auf einen höheren realisierbaren Restwert zu verweisen. Ob die Versicherung den Restwert aus dem eingeholten Sachverständigen-Gutachten der Abrechnung zugrunde legen muss, ist eine Frage des Einzelfalls. Jedenfalls sollten Sie den von der Versicherung zugrunde gelegten höheren Restwert nicht ungeprüft akzeptieren.
Habe ich einen Anspruch auf Erstattung der Kosten für einen Mietwagen oder Nutzungsausfall?
Wurde Ihr Fahrzeug so beschädigt, dass es nicht mehr verkehrssicher ist und nicht mehr genutzt werden kann, haben Sie einen Anspruch auf eine Nutzungsausfallentschädigung (Auszahlung der Entschädigung oder Nutzung eines Mietwagens) für die Dauer der Reparatur bzw. die Dauer der Wiederbeschaffung. Die Höhe richtet sich nach dem jeweiligen Fahrzeugtyp. Die Eingruppierung des Fahrzeuges, nach der die Höhe des Nutzungsausfalles richtet, kann durch einen Kfz-Sachverständigen vorgenommen werden.
Sofern im Falle des Vorliegens eines reparabelen Schadens der Ersatz der Mietwagenkosten verlangt wird, muss nachgewiesen werden, dass das Fahrzeug tatsächlich repariert wurde.

Vorsicht: Grundsätzlich ist bei der Inanspruchnahme eines Mietwagens Zurückhaltung geboten, wenn Sie nicht auf einem Teil der Mietwagenkosten sitzen bleiben möchten.

Ich wurde in einen Verkehrsunfall im europäischen Ausland verwickelt. Was ist zu tun?

Jeder Haftpflichtversicherer aus einem Land der EU und darüber hinaus Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz ist verpflichtet, in allen anderen dieser Länder einen Schadenregulierungsbeauftragten für die Bearbeitung und Abwicklung von Schäden benennen, an den sich Unfallopfer, die dort beheimatet sind, wenden können.

Vorsicht: Da grundsätzlich das Recht des Landes gilt, in dem der Unfall sich ereignete, muss man auf bestehende – teils große – Unterschiede gefasst sein. Falls Kosten entstehen, die zwar nach deutschem Recht von der gegnerischen Versicherung zu ersetzen sind, nach dem geltenden Recht des „Landes des Unfalls“ jedoch nicht, muss man den Betrag aus eigener Tasche bezahlen. Bei einem Verkehrsunfall mit Auslandsbezug raten wir dringend dazu, umgehend nach dem Unfall sich fachkundigen Rat zu holen.